3066081583.jpgSierra de Cazorla, Andalusien, Spanien

Für die nächsten Tage war wieder Wind angesagt. Kein gutes Zeichen, dachten wir uns, denn Wind an der andalusischen Küste ist kein Vergnügen für LosTimeCatchers. Gerne wären wir mal wieder mit unserem Gleitschirm in die Lüfte oder einfach unsere Dronen wieder fliegen lassen, damit wir nicht aus der Übung kommen, aber mit Wind?

 

Zum Glück gibt es ja das Internet und diverse Tools, um schnell an eine Information zu kommen. Also Google-Earth auf und schon gierten unsere Augen auf die Landkarte nach grünen Flächen, die begehbar sind. Nicht weit weg von Almeria erblickten wir beide sofort die Provinz Jaén, die zu den acht autonomen Region Andalusiens in Südspanien angehört. Die Hauptstadt ist ebenfalls Jaén und liegt im Nordosten Andalusiens. Gesagt, getan und die Route war eingegeben.

Diesmal wählten wir die Autobahn um ans Gebirge zu kommen. Es geht einfach schneller und wir fahren so nicht durch die ganzen Envernaderos (Plastikgewächshäuser in Andalusien). Was jedoch auch seinen Reiz hat, aber dazu schreiben wir ein nächstes Mal. Kurz noch schnell was Proviant eingekauft und los ging es. Wolfang, unser Navi, vertrauen wir mittlerweile schon ganz gut. Obwohl er uns manchmal in Gegenden hinführt, wo wir ihn erst einmal fürchterlich auslachen und uns vorher absichern ob es wirklich da lang geht. Technik ist gut aber unserem Instinkt vertrauen wir halt mehr.

Unsere erste Nacht verbrachten wir in (A-319, 23292 Hornos (J)

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Hier fanden wir eine „Area Recreativa Hornos-Seguro“. Es gab frisches Wasser aus den Bergquellen, Feuerstellen und Sitzplätze zum Verweilen. Immer eine gute Gelegenheit sich frisch zu machen und notfalls auch eine Nacht zu bleiben, sonst wird es in den Gebirgen einfach zu dunkel und man findet nichts mehr. Dirket neben unserer Nachtstelle floss ein kleiner Bach, der von weit oben aus der Sierra heraussprang und bis hinunter ins Tal seine Wege durch die rauhe Natur zog. Für Fotografen ein Paradies, doch das sollten wir erst später erfahren.

2913188515.jpgUm uns schien der Wald aufzuleben. Über all Vogelgezwitscher und viele bunte Schmetterlinge luden uns ein sofort die Fotoaparate in die Hand zu nehmen und einen Waldspaziergang zu unternehmen. Ehrlich gesagt sind wir keine 10m gekommen. Jeder Schritt, egal in welche Richtung, lieferte tolle Motive. Da kannst du nicht einfach weggehen. Das plätschern des Baches, die zwittschernden Vögel und das Rauschen der Bäume weiste uns den Weg. Nach gut 3 Stunden wurde es auch schon Dunkel und wir waren auch etwas müde. Kaum hatten wir unser Fotoequipment eingeräumt, da raschelte es ganz in der Nähe. Ein Reh, inmitten von Andalusien. Das hätten wir jetzt auch nicht erwartet. Dann halt wieder den Fotoaparat heraus. Leider dämmerte es schon sehr und lediglich zwei Fotos kamen dabei heraus. Aber wie heisst jetzt Reh auf spanisch? Egal, wir nannten es „Bambi“, damit können sogar die Spanier etwas Anfangen.

Wärend wir unsere Bilder vom heutigem Tage anschauten und darüber sprachen morgen früh noch ein paar Langzeitbelichtungen im Bach zu erhaschen, hörten wir plötzlich draußen ein Fiepen. Unser Hund Bärli sprang sofort auf und rannte hinaus. Als wir aus dem Fenster schauten erblickten wir, keine 20m entfernt, einen Fuchs. Der Fuchs und Bärli schnupperten erst einmal an sich herum. Dann hatte der Fuchs kein Interesse mehr und verschwand Richtung Wald. Unser Bärli, etwas verwirrt, blieb sitzen, als wenn er wissen würde – Der kommt zurück! Und so war es. Kurze Zeit später hörten wir draußen wieder ein Fiepen und sahen, dass unser Bärli beide Hinterpfoten in die Hand nahm und davon lief – Richtung Bus. Der Fuchs nahm einen anderen Weg ein und dann war er weg. Keine Spur mehr. Wir haben unseren Bärli dann auch nicht mehr alleine herausgelassen. Wir sind die Fremden, die in ein Gebiet kommen, wo andere Arten ihren Lebensraum haben und das respektieren wir gerne.

750467609.jpgDas Plätschern des Baches lies uns schnell einschlafen. Eine kühle Nacht, mussten wir feststellen. Dafür war es tagsüber sehr angenehm, da die Bäume reichlich Schatten spendeten.

Am frühen Morgen kamen dann auch schon die ersten Naturliebhaber dazu. Schnell füllte sich der Platz mit Menschen, die entweder lediglich ihre Wassergalonen an der Frischquelle füllten, oder ein Bus mit ca. 30 Jugendlichen, die wohl vorhatten die Sierra hinab zu gehen. Wir schauten dem Geschehen genau zu und dann beschlossen wir ebenfalls diesen Pfad nach unten zu begehen. Nicht umsonst gehen alle strahlend den gleichen Weg hinab. Also warfen wir unsere Pläne weiter Richtung Stausee zu fahren um, und machten uns Wildnisreif.

Bepackt mit der Nikon und unserer Hero4, die ein spezielles Handgimbal von uns verarbreicht bekommen hat (FY-G4 3-Axis Handheld Steady Gimbal) , ging es dem Bach entlang nach unten. Unser Bärli hat uns diesmal ein wenig aufgehalten denn die Landschaft mag für uns Menschen schön aussehen aber für die Vierbeiner ist es oft kein Vergnügen. Die Vegetation ist in Andalusien gänzlich anders, als wie man es beispielsweise von Deutschland kennt. Sieht alles saftig aus, täuscht jedoch. Die trockenen Gräser bleiben gerne mit ihren Widerhaken im Fell und an den Pfoten kleben. Am Wasser entlang ging es für Bärli ganz gut, denn seit dem er weis, wie schön es für einen Hund sein kann ins Wasser zu gehen, zieht er es sogar lieber vor.

Auf dem Weg nach unten gab es natürlich wieder traumhafte Motive. Unten angekommen sahen wir diesen wunderschönen See. Naja, es ist eigentlich ja kein See sondern ein Teil des Stausees. Der Bach fiel wie eine Cascade in den See.

 

3651760963.jpgUm uns, nur Stille und das Plätschern des Wassers. Doch da war noch ein Geräusch, welches wir nicht so ganz entziffern konnten. Es schien über all zu sein. In der Luft, auf den Bäumen, auf dem Boden etc. Aber sehen konnten wir nichts. Schorsch hatte dann die kleinen Tierchen gefunden, die für ein Flamenc-Konzert gesorgt haben. Es waren viele, kleine Baby-Zirkaden, die mit ihren Flügelgeräuschen die Natur mit einem Flamenco-Hörspiel umfüllten. Seine Geduld sollte sich lohnen, denn einige Aufnahmen sind nun festgehalten. Für uns heissen sie nun „Flamenco-Zirkaden“ und wenn mich nicht alles täuscht weist es stark auf einen sehr, sehr heissen Sommer hin. Verfallen dem Zirkadenflamenco hörten wir Donner am Himmel. Ups, kommt da jetzt ein Gewitter? Der Blick nach oben zeigte einen blauen Himmel aber von Süden aus kam eine dunkle Wolke auf die Sierra zu. Wir brachen lieber auf, Richtung Bus, denn Wenn es jetzt regnen sollte, dann wird das kein Spaß durch den Wald wieder hinauf. Alles umsonst, denn wir sollten trocken bleiben und das Gewitter kam nicht zu uns. Eigentlich hatten wir vor heute weiter zu fahren aber es dämmerte bereits und wir beschlossen eine weitere Nacht zu bleiben und morgens wieder Richtung Stausee zu fahren. Hoffentlich reicht unser Proviant und unser Gas, denn weit und breit gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. Kaum ausgedacht, da war es wieder – das Reh. Diesmal genossen wir es einfach nur zu beobachten. Es war ganz nah und hörte uns nicht, denn wir erstarrten bei seinem Anblick um es nicht zu verscheuchen.

Ich meinte noch zu Schorsch: „ Nicht das wir gestern den Fuchs gestört haben und er jagd abends Rehe?“ Schorsch lachte herzlich und da kamen sie aus dem Nirgendwo, zwei Füchse liefen hinter dem Reh den Berg hinauf. Schien wohl ein gewohntes Spiel zwischen Reh und Füchse zu sein. Denn keine 10 Min. später stand das Reh wieder da und graste weiter, als wäre nichts passiert.

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Für uns ein Zeichen, morgen weiter zu ziehen. Hier wohnen viele Arten und haben sich bestimmt an uns Menschen gewohnt. Aber es gibt auch andere Arten, die wir oft nicht einmal zu Gesicht bekommen, die einfach aussterben oder nicht wieder kommen. Wir sind dankbar eine Zeit hier verweilen zu dürfen.

Am nächsten Morgen, 06.Juni, 2015 setzten wir unsere Reise gen Stausee fort. Gegen 11h wollten wir einen Kaffee und Tostada zu uns nehmen. Einfach mal andalusisch Frühstücken inmitten der Berge. Unsere Gaskartuschen waren auch leer und extra dafür den großen Kocher aufsetzen lohnte nicht. Direkt hinter dem Zugang zum Stausee fanden wir auch einige kleine Gaststätten, die einladend aussahen. Mit Blick auf den Stausee, was will man mehr. Wir entschieden uns für die Bar, direkt am Strassenrand, diese schien 1A Linie zu sein mit direktem Blick auf den Stausee. Die anderen zwei Bars waren durch eine schnuckelige Stein-Treppe nach oben zu erreichen. Als wir eintraten, stand der Gastwirt mit seiner Tochter am Terrassen-Geländer und warf 1 Brotstück, groß wie ein Baguette, in den Stausee. Vater und Tochter lachten herzlichst. Als wir näher kamen, sahen wir warum – ganz unten eine Scharr von Fischen, die bereits warteten. Sobald das Brotstück im Wasser landetet, verfolgten die Fische, wie in einem Mannschaftsteam, das Brot eine Zeitlang. Dann endlich war das Brotstück wohl so weichgesaugt vom Wasser, dass einer der Fische zuschnappte und die Scharr löste sich wieder auf. Nach ca. 15 Min. fütterten Vater und Tochter immer noch die Fische. Zwischenzeitlich kamen ein paar Herren rein, die bekannt waren. Das erkannten wir anhand der Begrüssung. Nach weiteren 10Min. Plaudern, bekamen diese dann auch ihren Kaffee und gaben ihre Frühstücksbestellung auf. Die Wirtin sofort in die Küche. Der Wirt plauderte weiter und meinte er müsse jetzt „Scheissen“ gehen. (Yo voy a cagar!) Was seine Freunde machen, sei ihm egal. Der Wirt lachte laut, seine Frau meinte zu den Gästen: „Mit dem bin ich auch noch verheiratet“ und kneifte sich ein Lächeln raus und die Gäste schmunzelten und meinten, sie können eh nicht lange bleiben. Hm...? Wir lächelnd aufgestanden und langsam Richtung Ausgang. Das Frühstücken war uns vergangen.

Also, ohne Frühstücken weiter. Mit so einer Laune auch noch weiterfahren? Tja, was blieb uns anderes übrig? Wir sprachen lange nicht und fuhren einfach dahin, bis auf einmal Schorsch fragte: „Wohin fahren wir jetzt eigentlich?“ Ich:“Keine Ahnung, egal – Hauptsache ich treffe keine Wirte, die gerade aufs Klo gehen, mir ist übel und eigentlich wollten wir doch Frühstücken“. Als ich auf die Uhr schaute, hatten wir bereits 12h. Oh Mann und zwischen 15h und 19h sind die Temperaturen am heissesten. Immer noch keine Frühstück und Durst wie ein Löwe. Als wir in der Ferne eine Schlucht erblickten, blieben wir am Strassenrand stehen. Eine kleine Einbuchtung ermöglichte uns das sichere Parken. Bärli musste auch raus und wir nutzten die Zeit um uns zu erfrischen.

Letztendlich beschlossen wir wieder Richtung Heimat zu fahren. Nach Jaén sind wir nicht gekommen. Dafür war die Landschaft drumherum zu verführerrisch. Aber die Gebiete, die wir diesmal bereisten gehören zu dem Einzugsgebiet – Jaén.

Weitere Fotos der Tour sind hier zu finden!

 

 

Liebe Grüße aus Andalusien,

Sara

 

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© LosTimeCatchers Sara & Schorsch