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Uns hat es mal wieder voll erwischt. Wir befinden uns inmitten eines Wasserschadens und unser Vermieter will weder dafür aufkommen noch trägt seine Versicherung den Schaden. Leider erleben wir das nicht zum ersten Mal und stellen immer wieder fest, dass das Lieblingswort von vielen Menschen in solchen und ähnlichen Situationen, noch vor „Mañana „A la calle“ ist. Auf gut Deutsch: „Wenn es dir nicht passt, dann geh doch!“

Zwar könnte der eine oder andere meinen, dass Menschen, die im Süden leben, sich den ganzen Tag lang die Sonne auf dem Bauch scheinen lassen. Dem ist aber nicht so. Der Süden verlangt einiges ab und an alles denken wir, aber nicht daran uns die Sonne auf dem Bauch burzeln zu lassen. Da würden wir verkohlen und da sucht man sich nicht unbedingt Andalusien aus.

Für uns ist es wieder Zeit weiter zu ziehen. Lange haben wir darüber nachgedacht. Aber so, wie wir hier in den letzten zwei Jahren von unserer Vermieterin behandelt wurden, so wurden wir noch nie in unserem Leben behandelt. Vielleicht ist es die Angst, die vielen Menschen im Nacken sitz und sie vielleicht nicht aus aussichtslosen Situationen kommen oder einfach nur die Tatsache, dass wir keine Spanier sind. Wir wissen es nicht und erleben es nicht zum ersten Male.

Persönlich erlebe ich hier kein Europa – ledigich nur in den Preisanpassungen. Aber alles andere ist zurückgeblieben. Solange die Einstellung der Menschen die alte ist, so lange wird sich nur zum Schein etwas ändern – aber die alten Verhaltensweisen gehen weiter. So z.B. auch die Einstellung vieler Vermieter. Selbst wollen sie an keine Einheimischen vermieten – höre ich immer wieder. Aber wenn deutschsprachige mieten, dann sieht das alles ganz anders aus. Angefangen bei den monatlichen Mieten, die sich hier kaum ein Spanier als Normalverdiener leisten kann. Meine spanischen Nachbarn machen alle große Augen, wenn die hören, was wir an Miete zahlen. Egal – wir wissen ja mittlerweile warum.

Am Samstag, 15.8.2015 sahen wir Wasser aus unserem Esszimmerboden hochkommen. Sofort informierten wir die Vermieter. Seither werden wir tagtäglich vertröstet. Bisher waren bereits drei Handwerker hier, keine Reparatur möglich, da die Wasserzuleitung total verrostet ist. Neben drei Handwerksfirmen seitens der Versicherung kam noch ein Gutachter. Seither = Funkstille. Ist oft so wenn die Hausbesitzer dann erfahren, dass die Versicherung nicht aufkommt, wenn nicht nachgewiesen ist, dass tatsächlich eine Instandhaltung vorgenommen wurde.

Eine von uns beauftragte Handwerksfirma bestätigte, es wird eine niemehr endende Angelegenheit werden. Bis in den zweiten Stock hinauf muss alles aufgerissen werden und wer weis, was noch hinzukommt. Wir sind total begeistert. Vor Allem, weil wir bereits seit Mietbeginn darauf mehrmals hinwiesen, es sei irgend was mit den Wasser- und Abflussleitungen nicht in Ordnung.

 

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Jetzt haben wir die Faxen dicke. Eine aussergerichtilche Lösung ist derzeit nicht in Sicht. Anscheinend pocht der Vermieter darauf, dass wir nicht zahlen, damit er uns rausschmeissen kann. Jetzt übergeben wir das vorerst einem Anwalt. Warten wir mal ab, was dabei heraus kommt. Wir möchten auf jeden Fall weg. Lassen uns aber nicht in irgend eine Lösung hineindrängeln. Auf Schadensersatz verzichten wir, denn wer kein Geld hat sein Haus Instandzusetzen, der wird auch nichts zahlen wollen. Da das spanische Rechtssystem auch total überlastet ist, kann es vorkommen, dass eine solche Angelegenheit an die 4-5 Jahren in Anspruch nimmt.

Das sind wir leider aus Spanien gewohnt. Immer wenn es um die Verantwortung Dritter geht, ziehen die sich gerne aus der Affäre. Auch hat keiner ein Problem damit, wenn man sie anzeigt, denn wer verschuldet ist hat nichts zu verlieren. Eins haben wir gelernt – die wenigen Häuser oder Wohnungen sind offiziel Instandgehalten. Viel zu gerne pinseln und reparieren die Eigentümer selbst an ihrem Haus. Die meisten Häuser sind von den Banken finanziert. Zwar fordern die Banken eine Gebäudehaftpflichtversicherung aber diese zahlen nur, wenn das Eigentum instandgehalten wurde. Ich frage mich immer wieder, wieso die Banken das nicht überpüfen oder gar die Versicherungsgesellschaften, und zwar bevor eine Police ausgestellt wird. Vor jeder Darlehenszusage kommt ein Gutachter der finanzierenden Bank um das Eigentum unter die Lupe zu nehmen. Jedes Haus, welches wir hier in Spanien anmieteten, wies eine ähnliche Situation auf. Sei es auf dem Festland oder auf Mallorca. In unserem erstem Haus, wo alleine der Ausblick aufs Meer alles vergessen lies, dort erlebten wir ebenfalls eine komplette Sanierung. Keiner fragte uns, ob wir damit einverstanden sind oder ob wir Bock hatten ständig von einem Zimmer ins andere zu ziehen und tagtäglichen Hausputz zu betreiben, damit unsere Gerätschaften nicht kaputt gingen. Ich weis noch, dass im ganzen Haus Fliesenstaub in der Luft war.

Unser zweites Haus war ein Neubezug. Kein halbes Jahr Später kam Wasser aus der Decke ins Kinderzimmer. Die Wand fing an zu schimmeln. Kein Problem – Die Vermieterin kam mit Latexfarbe! Dann fingen die Wände unter den Fenstern an zu schimmeln. Hinter jedem Schrank, jede Komode etc. Ja klar!!! Die Alufenster hatten keinen Wasserablauf wenn sie schwitzten. Kein Problem – Sonntags kam die Vermieterin mit ihrer Schwiegertochter im Morgenmantel bewaffnet mit einer Bohrmaschine unterm Arm. Kurze Hand wurde in jedem Fensterrahmen ein Ablaufloch gebohrt. Fertig! Erledigt!

Ein Jahr nach unserem Einzug = Wasserschaden. In der Küche kam aus dem Boden Wasser hoch. Kein Problem – die Vermieterin lies die Handwerker kommen und Kupferleitungen oberirdisch verlegen. Das Haus sah sehr schmucke aus mit den Verzierungen an der Wand entlang. Zumindest aus Kupfer. Lustig war es, wenn jemand duschte oder irgenwie das heiß Wasser benutzte – da durfte man nicht aus Versehen an die Leitungen kommen. Verbrennungen waren von nun an an der Tagesordnung. Dann war das Dach wieder undicht etc. etc. Nach drei Jahren zogen wir aus.

Unser drittes Haus, diesmal ein schnuckes Dorfhaus auf Mallorca erwies sich im Winter als Archenoah aus. Der komplette untere Bereich war eine Feuchtekammer. Unsere Schlafgemächer waren on Suite, keine Siffons im Haus – alles stinkte erbärmlich. Nicht, dass wir keine Siffons hätten einbauen können – aber weder Badewannen noch Duschen noch sonstwas kannte einen Siffon. Ganze zwei Jahre hielten wir es aus. Danach ging es in unser viertes Haus.

Nach zwei Wochen stand eines Morgens unsere komplette untere Etage unter Wasser. Unsere Katze – vergiftet = TOT! Ursache war, dass der Eigentümer selbst die Kanalisation im Haus verlegt hatte und irgendwie lief das Wasser nicht richtig ab – also alles ins Haus. Unter der Küchenzeile hatte er wohl noch Rattengift ausgelegt gehabt und vergessen es zu erwähnen. Nach der Überschwemmung muss das Gift für unsere Katze erreichbar gewesen sein. Eine Woche lange wussten wir nicht was mit dem Tier los war. Erst in späteren Gesprächen mit dem Eigentümer kam alles heraus. Im zweitem Jahr fing unser Badezimmer an zu schimmeln. Im drittem Jahr stand die Garage unter Wasser. Ach ja und nach Weihnachten, im drittem Jahr, kam die Androhung einer Räumungsklage. Wir hätten drei Monate nicht bezahlt. Eine persönliche Nachfrage ergab, er hätte sich verrechnet. Wir zu Gericht, alles vorgelegt und die Sache war erledigt. Für uns auch – wir zogen weiter.

Dann kam unser fünftes Haus. Nach einem halbem Jahr bemerkten wir, dass die Badezimmerwand und die Wohnzimmerwand feucht waren. Folglich fingen sie an zu schimmeln. Wir also Möbel verrückt – Wäsche verräumt.Wände trocken gemacht und gesäubert. Eine ziemlich staubige Angelegenheit, da ständig der trockene Gips von der Wand fällt und alles verstaubt. Ein weiteres Jahr später kam eine Wasserrechnung von ca. 300€. Wir ganz erstaunt – fanden dann selbst heraus, dass im Garten die Leitungen veraltet waren und leckten. Also, alle Wasserleitungen revisiert und erneuert. Das Problem war behoben. Die Eigentümer wollten davon nichts wissen. Im zweitem Jahr hörten wir eines Morgens einen fürchterlichen Knall. Ein Teil der Wohnzimmerdecke war heruntergefallen. Es hatte über Nacht geregnet und die Wigas in den Decken waren wohl verrostet gewesen, so dass Wasser hineingelangen konnte. Summasummarium – Keine Versicherung zahlt ein nicht Instandgesetztes Haus. Als wir die Eigentümerin zur Rede stellen wollten ging der Spaß erst richtig los. Wir sollten uns doch was anderes suchen. Und in allen Fällen ist das so. Wenn es an die Verantwortung geht, dann sind das leider nicht mehr die netten Nachbarn.

Erneut zogen wir im drittem Jahr aus. Und jetzt sind wir gerade mal zwei Jahre im 6. Haus und erleben schon wieder einen fetten Wasserschaden.

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Es ist sehr mühseelig so zu leben. Wir kommen uns vor, als würden wir ständig umziehen. Und so viel, wie in Spanien, habe ich bisher nie geputzt. Diese ganzen Baustellen sind Dreckträger und ständig ist alles verstaubt.

Ab September sollte es wieder möglich sein ein Haus zu finden, nachdem die Urlauber alle wieder weg sind. Kurze Hand sind wir, nach dem ganzen Trubel im August – die letzte Augustwoche abgehauhen. Im andalusischen Hinterland wollten wir wieder Energie tanken. Aber das ist eine andere Geschichte.

   
© LosTimeCatchers Sara & Schorsch